Haartransplantation oder lieber Haarersatz?

Haartransplantation

Da ich bereits sehr früh unter Haarausfall litt und mich nicht einfach damit abfinden wollte eine Glatze zu bekommen, habe ich mich umfassend mit den verschiedenen Optionen auseinandergesetzt die man hat, um mit der Situation umzugehen.

In einem früheren Artikel hatte ich bereits die Ursachen von erblich bedingtem Haarausfall angesprochen und einige dieser Optionen kurz erwähnt. Heute möchte ich darüber berichten inwiefern eine Haartransplantationen, als Lösung gegen Haarausfall in Frage kommt, welche Verfahren es gibt und welche Punkte dafür oder dagegen sprechen.

Auch im Bereich der Haartransplantation hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Neben der etwas archaisch wirkenden klassischen Methode, bei der ganze Hautstreifen aus den Hinterkopf geschnitten- und nach vorne verpflanzt werden, gibt es heutzutage auch weniger invasive Verfahren bei denen mit Hohlnadeln einzelne Haarfollikel transplantiert werden können. Aber dazu später mehr.

 

Grundlagen

Grundlegend funktioniert eine Haartransplantation so, dass Haare von einer Stelle des Körpers an eine andere Stelle transplantiert werden.

Da bei erblich bedingtem Haarausfall die Haare in einem bestimmten Muster ausfallen, bilden sich zunächst Geheimratsecken anschließend wandert die Haarlinie nach hinten bis am Ende eine komplette Halbglatze entsteht. Die Haarwurzeln im Haarkranz der verbleibt sind, genetisch bedingt, unempfindlich gegenüber weiterem Haarausfall und können deswegen auch an eine andere Stelle transplantiert werden und wachsen dort im Idealfall ein Leben lang weiter.

Bei einer Haartransplantation verändert sich also die ursprünglich vorhandene Haarmenge nicht, die vorhandenen Haare werden nur besser verteilt. Zwar kann man theoretisch auch Brust- oder Schamhaare auf den Kopf verpflanzen, jedoch haben die Haare dann eine andere Struktur/Haarfarbe was in den seltensten Fällen ein zufriedenstellendes Ergebnis erzeugen würde. Aus diesem Grund ist das bevorzugtes Spenderareal deshalb der Haarkranz.

Obwohl bereits an neuen, erfolgversprechend Verfahren gearbeitet wird gibt es derzeit keine Möglichkeit, Haare zu multiplizieren, zu züchten, zu klonen oder fremde Haare auf den eigenen Kopf zu transplantieren. Solche Verfahren werden wohl leider frühestens in 10 bis 15 Jahren verfügbar sein.

Damit ergibt sich das Gesamtbild, dass Männer, denen wie mir lediglich ein Haarkranz verblieben ist (d.h. ab Stadium 4 im Hamilton-Norwood-Schema), sich eine Eigenhaartransplantation mit den derzeit verfügbaren Methoden leider aus dem Kopf schlagen müssen. Sie ist schlichtweg nicht möglich.

Für denjenigen der allerdings nur unter Geheimratsecken, oder einem frühen Stadium des Haarausfalls leidet, für den kann eine solche Operation jedoch durchaus gute Ergebnisse liefern. Wobei dazu bemerkt werden muss, eine Haartransplantation macht nur dann wirklich Sinn, wenn der Haarausfall gestoppt ist. Transplantiert man also in jungem Alter, war der ganze Aufwand möglicherweise umsonst wenn die restlichen Haare, weiterhin ausfallen.

Verfahren

Früher war folgende Methode üblich: Aus dem Haarkranz wurden drei bis vier Millimeter große, runde Hautareale (Grafts) entnommen und verpflanzt. Im Ergebnis entstanden kleine Haarinseln, die wie Büschel in einer kahlen Landschaft wuchsen. Um diesen wenig ästhetischen "Klobürsteneffekt" einigermaßen auszugleichen, waren über einen längeren Zeitraum mehrere Operationen erforderlich.

Heutzutage werden meist kleine Teilareale mit nur wenigen Haaren verpflanzt. Dadurch sind sie gleichmäßiger zu verteilen. Es geht dabei um

• Einzelhaartransplantate,
• Mikrografts mit zwei oder drei Haaren,
• Minigrafts mit vier oder fünf Haaren.

Damit die Transplantate anwachsen können, müssen sie mit Nährstoffen versorgt, also durchblutet werden und von intakter Hautfläche umgeben sein. Ein dichtes, kosmetisch befriedigendes Einpflanzen von Hautteilen in Kahlflächen ist mit einer Sitzung deshalb meist nicht zu erreichen. In einer Sitzung von zwei bis sechs Stunden können etwa 400 bis 1200 Grafts verpflanzt werden.

Wird zu viel auf einmal verpflanzt, ist eine schlechte Anwuchsrate vorprogrammiert d.h. ein großer Teil der verpflanzten Haare sterben nach einigen Wochen wieder ab. Deswegen sind wird in der Regel eine zweite oder dritte Transplantationssitzung fällig.

Streifen & Einsetzung Mini/Micrografts (MMG)

Die in Deutschland am häufigsten anzutreffende Haarverpflanzungs-Methode. Dabei wird aus dem Haarkranz ein behaarter Hautstreifen entnommen und in Hautteile mit Haarwurzeln(Mini- bzw. Micrografts) zergliedert. Danach werden dann die Grafts in die vorher vorbereiteten Gebiete eingesetzt.

Streifenentnahme & Einsetzung follikularer Einheiten (FUI)

Mikroskop FUI TransplantationDiese Methode ist die Weiterentwicklung der Mini/Micrograft-Technik. Hier wird auch ein behaarter Hautstreifen aus dem Haarkranz entnommen. Jedoch wird dieser unter einem hochauflösenden Mikroskop in die natürlichen Bündelungen des Haares (Follikulare Einheiten) zergliedert. Diese follikularen Einheiten (Follicular Unit = FU) werden dann in die vorher vorbereitenden Gebiete eingesetzt.

Follicular Unit Extraction (FUE)

Die Gewinnung follikularer Einheiten (Follicular Unit Extraction), bezeichnet die Entnahme, die Zwischenlagerung und die Implantation  follikularer Einheiten (FU). Die Einheiten sind natürliche Gruppierungen von ein bis vier Haaren. Diese Methode zählt zu den zurzeit modernsten Möglichkeiten der Haarverpflanzung.

Für die Haarverpflanzung sind diese follikularen Einheiten von großer Bedeutung, da Haare nicht einzeln, sondern in natürlichen Bündelungen wachsen. Bei einer FUE-Transplantation werden diese Haargruppierungen mit einer Hohlnadel aus dem Haarkranzbereich entnommen und in die entsprechenden Bereiche eingesetzt. Bis zur Implantation lagern die Transplantate in einer Nährlösung oder Salzwasser. Anschließend transplantiert der Arzt die follikularen Einheiten in die kahlen Kopfareale.

Intermittent Follicle Unit Extraction(I-FUE)

Weiterentwickelte Form der klassischen FUE-Methode. Das Entnehmen und Einsetzen der Haare erfolgt in wesentlich kürzeren Zeitabständen. Die Spenderhaare befinden sich bei der IFUE Methode also kürzer außerhalb des Körpers und werden schonender behandelt, indem sie bei der Zwischenlagerung nicht in Kochsalzlösung sondern in einer nährstoffreichen Flüssigkeit deponiert werden, was eine höhere Anwachsrate bewirken soll.

 

Die Zeit danach

Je nach Anzahl der übertragenen Grafts dauert eine Behandlung zwei bis sechs Stunden. Aus den Wunden tritt Blut aus, das verschorft und kleine Rötungen oder Verkrustungen hinterlässt. Im Normalfall sind sie nach etwa acht bis zwölf Tagen verschwunden.

Anschließend ist einige Geduld gefragt, rund vier bis sechs Monate dauert es noch, bis ein sichtbares Ergebnis auf dem Kopf sprießt. Bis dahin sieht der Kopf fast so kahl aus wie zuvor.

Wie bereits in den Abschnitten zu den einzelnen Verfahren erwähnt, wachsen nicht alle transplantierten Haare auch wirklich an. Je nach Verfahren, Fähigkeiten des Operateurs und persönlichem Haar-/Hautzustand sind möglicherweise erneute Transplantationen nötig um ein kosmetisch befriedigendes Resultat zu erreichen. Dann allerdings verbleiben die Haare auch, vorausgesetzt dass alles gut gegangen ist, ein Leben lang auf dem Kopf. Und in vielen Fällen kann ein durchaus gutes kosmetisches Resultat erzielt werden.

Kosten

Die Kosten für einen solchen operativen Eingriff reichen etwa zwischen 2000 und 9000 Euro, wobei der Preis sich aus dem Zeitaufwand und der gewählten Technik errechnet.

Vergleich Haarersatz und Haartransplantation

Betrachtet man alle Umstände kann man eine Haartransplantation nicht wirklich mit Haarersatz vergleichen, da beide Lösungen sehr unterschiedlich sind:

Eine Transplantation ist generell nur für denjenigen Möglich der noch genügend eigenes Haar besitzt, da man derzeit im Prinzip nur die Haare von hinten nach vorne verpflanzen kann. Eine Transplantation ist zudem ein echter chirurgischer Eingriff, bei der die üblichen Gefahren einer Operation entstehen. Es besteht die Möglichkeit, dass die Prozedur misslingt oder mehrere Male wiederholt werden muss weil die Haare nicht wie gewünscht anwachsen. Auch entstehen bei manchen Operationsmethoden große sichtbare Narben, was das tragen einer Kurzhaarfrisur oder rasieren einer Vollglatze später unmöglich macht. Es dauert bis zu einem halben Jahr bis das endgültige Resultat zu sehen ist.

Wenn die Transplantation allerdings gelingt, sind das Resultat echte natürliche Haare, die im Idealfall ein Leben lang bestehen bleiben.

Haarersatz hingegen kann bei jedem angewendet werden, der unter Haarausfall leidet, egal wie viel Resthaar er besitzt. Das kosmetische Ergebnis ist sofort sichtbar, moderne Haarsysteme schauen so realistisch aus dass man sie nicht erkennen kann. Es ist nahezu jede Frisur möglich, da man die Haardichte und Länge so wählen kann wie man möchte (wobei man sich allerdings für die optimale Natürlichkeit an den eigenen Resthaaren orientieren sollte).

Allerdings sind die Haare keine natürlichen "lebenden" Haare die auf dem Kopf wachsen, sondern eine kosmetische Lösung die dein natürliches Haar optisch wieder herstellt.

Fazit

Für Denjenigen, für den eine Eigenhaartransplantation in Frage kommt, ist diese möglicherweise eine gute Lösung. Mir persönlich allerdings würde eine Transplantation nichts bringen, da ich nicht mehr genügend Eigenhaare besitze. Zudem wäre mir der Kostenaufwand und das Risiko durch die Operation zu hoch.

Zudem bin ich glücklich mit meinem Haarsystem, obwohl es natürlich keine "echten Haare sind" und ich bin sehr froh dass ich mich seinerzeit für ein Haarteil entschieden habe.

Trotzdem, falls es in Zukunft einmal ein Verfahren gäbe mit dem man neue Haare züchten-, oder anderweitig ein überzeugendes ästhetisch Resultat erzielen könnte, wäre ich demgegenüber durchaus aufgeschlossen.

Da die Realisierung solcher Verfahren allerdings in weiter Ferne liegt, bleibe ich zufrieden bei meiner derzeitigen Lösung.

Ich hoffe der Artikel konnte dem ein oder anderen etwas weiter helfen, bis zum nächsten Mal!

 

weiterentwickelte Form der klassischen FUE-Methode
Intermittent Follicle Unit Extraction
Intermittent Follicle Unit Extraction
Intermittent Follicle Unit Extraction
Intermittent Follicle Unit Extraction
I-FUE-Methode
I-FUE-Methode

Kommentare   

#10 Manu 2017-04-06 18:27
Ich möchte mir in der türkei einer haartransplanta tion unterziehen.hat jmd einen tip für mich?
Haarsystem finde ich vom ergebnis denke ich voller...aber immer runter rauf das istvmir zu anstrengend...l g
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#9 Cem 2015-10-18 19:34
Hallo,

Ich habe vor ca. 3 jahren eine Haartransplanta tion gemacht, es wurden mir ca. 4100 Grafts (Haarwurzeln) aus den hinteren Haaren entnommen. Nach einem Jahr war das Resultat nicht zufriedenstelle nt! Es waren ca. 5-10% nachgewachsen, es hatte sich nicht gelohnt! Heute benutze ich Contaktskin und bin zufrieden. Leider habe ich wenig eigenhaar und das ist das einzige was mich stört.. Ich wünschte ich hätte keine HT gemacht, da ich jetzt leichte stellen am hinterkopf habe und mir das mit toppik etc. kaschieren muss, da mein CS zu dicht ist.
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#8 admin 2015-09-16 11:39
zitiere Tom1:
Hallo,
ich habe eine Zangengeburtsnarbe. Ca. 20 cm lang und 2 bis 3cm breit. Kann man die mit einem Haarsystem problemlos und sicher abdecken? Wie würde sowas angefertigt? Ist ja schwierig, genau abzumessen, da die Narbe halt gebogen und unterschiedlich breit ist.


Hallo Tom,
vielen Dank für die Anfrage.

Leider kann ich jetzt pauschal, ohne ein Bild gesehen zu haben, nur eine allgemeine Antwort geben:

Es ist tatsächlich nicht ganz einfach, hier ein optimales Haarsystem anzupassen. Das beste Resultat würde man wohl erreichen, wenn man einen Bereich des Kopfhaars ab-rasiert.
Ein solches Haaarsystem würde wie jede Maßanfertigung, auf Basis eines Kopfabdrucks hergestellt.
D.h. zunächst müssten Sie einen Kopfabdruck ihres gesamten Kopfes erstellen und dann mit einem Stift die Fläche der Narbe aufzeichnen. Anschließend kann auf Basis der Schablone ein Haarteil hergestellt werden.
"https://direkthaar.de/schablone-erstellen"

Abhängig von der gesamten Haarsituation wäre möglicherweise auch Concealer oder Schütthaar eine einfachere Lösung, tut mir Leid dass ich Ihnen hier ohne weiter Informationen keinen genaueren Ratschlag geben kann.
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#7 Tom1 2015-09-05 19:54
Hallo,
ich habe eine Zangengeburtsna rbe. Ca. 20 cm lang und 2 bis 3cm breit. Kann man die mit einem Haarsystem problemlos und sicher abdecken? Wie würde sowas angefertigt? Ist ja schwierig, genau abzumessen, da die Narbe halt gebogen und unterschiedlich breit ist.
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#6 Rainer H. 2015-05-02 19:24
Hier mal die andere Seite:
Leider habe ich den Fehler gemacht und mich zu einer Haartransplanta tion überreden lassen. Ich habe extra mehr gezahlt und es hier in München gemacht. Aber ich glaube, ich hätte es in der Türkei machen sollen.

Ergebnis wäre bestimmt gleich, nur weniger Geld. Damals mit 25, konnte mir der Mann im weißen Kittel eben viel erzählen, heute mit 32 würde ich darauf nicht mehr reinfallen. 5000€ weniger und eine Dicke Ohr-zu-Ohr Narbe habe ich dafür bekommen. Die Option Glatze zu tragen ist somit auch viel schwieriger geworden.
Insofern wer es unbedingt machen lassen will unbedingt zuerst einen sehr sehr guten Operateur finden.
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#5 admin 2015-02-16 09:38
zitiere kalla:
Auch das beste Toupet hat Schwächen.
Man erkennt es am Hinterkopf. Die zumeist dickeren leblosen Haare des Toupets können sich einfach nicht mit den eigenen Haaren so verzahnen, dass man den Haarersatz nicht erkennen kann.

Hallo Kalla,
das ist so nicht richtig.
Bei gutem Haarersatz ist die Haardicke genau so, wie beim eigenen Haar.

Haare bestehen aus Keratin, einer Hornsubstanz und sie ähnlich wie Fingernägel per definition "leblos" sehen aber entsprechend gepflegt nicht anders aus ob sie nun in Zweithaar verarbeitet wurden oder auf dem Kopf wachsen.

Und das sich die Haare im Zweithaar nicht mit dem eigenen Haar "verzahnen" können ist ebenfalls nicht richtig. Das ist nur eine Frage der Frisur. Frisuren mit einer Haarlänge unter 1-2cm können schwierig werden. Aber selbst das ist mit einen Folienhaarteil durchaus möglich. Bei normal kurzer oder mittlerer Haarlänge ist der Übergang am Hinterkopf nie ein Problem.

Beste Grüße Frank
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#4 kalla 2015-02-13 19:45
Auch das beste Toupet hat Schwächen.
Man erkennt es am Hinterkopf. Die zumeist dickeren leblosen Haare des Toupets können sich einfach nicht mit den eigenen Haaren so verzahnen, dass man den Haarersatz nicht erkennen kann.
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#3 admin 2013-06-29 21:15
zitiere Michael:
Hallo Frank,
Informativer Artikel, ich habe auch eine Frage welches
Zweithaarsystem benützt du?
Gruß

Hallo Michael,
ich trage ein Swiss Lace Haarsystem mit indischem Echthaar.
Beste Grüße,
Frank
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#2 Michael 2013-06-29 16:51
Hallo Frank,
Informativer Artikel, ich habe auch eine Frage welches
Zweithaarsystem benützt du?
Gruß
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#1 Tom 2012-11-07 10:00
Hallo Frank,

ich finde deine Artikel immer wieder klasse. Dieser hier hat mich besonders bewegt, da ich eine Haartransplanta tion schon selbst durchhabe. Mir hat sie sehr geholfen. Schade, dass man dir mit einer Haartransplanat ation nicht mehr helfen kann. Ich freut mich aber zu hören, dass du mit deinem Haarteil zufrieden bist.
Gerne möchte ich noch einen Tipp anführen:
Dort kann man nachlesen, was vor Antritt der Haartransplanta tion alles beachten muss.
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